Spritpreise fallen trotz CO₂-Abgabe: Tankrabatt und Ölflut treiben Preise nach unten

Szerző : Farkas Czeglédi Dátum : november 27, 2025

Spritpreise fallen trotz CO₂-Abgabe: Tankrabatt und Ölflut treiben Preise nach unten

Ab dem 1. Januar 2025 stieg die CO₂-Abgabe in Deutschland von 45 auf 55 Euro pro Tonne – eine Erhöhung von über 22 Prozent. Doch statt dass die Spritpreise dadurch durch die Decke schießen, sinken sie seit April 2025 kontinuierlich. Der Grund? Ein massiver Tankrabatt, der seit 1. Juni gilt, und eine globale Ölflut, die die Rohölpreise in den Keller treibt. Spritpreise stehen damit vor einem paradoxen Szenario: Umweltpolitik und Marktmechanismen arbeiten gegeneinander – und der Verbraucher profitiert, zumindest vorübergehend.

CO₂-Abgabe steigt, aber der Preis fällt – warum?

Die ADAC, Deutschlands größter Automobilclub mit rund 21 Millionen Mitgliedern und Hauptsitz in München, rechnete mit einem Anstieg von 3,0 Cent pro Liter Benzin und 3,1 Cent pro Liter Diesel durch die höhere CO₂-Abgabe. Doch diese Erhöhung wird von einem anderen Faktor überwältigt: dem Tankrabatt der Bundesregierung. Seit dem 1. Juni 2025 sparen Autofahrer beim Benzin 35 Cent und beim Diesel knapp 17 Cent pro Liter. Bei einem 45-Liter-Tank sind das 15,75 Euro Ersparnis – fast doppelt so viel, wie die CO₂-Abgabe zusätzlich kostet. Die Tankstellen haben erst ab diesem Datum den günstigeren Sprit bestellt, nachdem die Nachfrage seit Mitte Mai eingebrochen war. Die Folge: Die Preise an der Zapfsäule fielen – und zwar trotz steigender Umweltabgaben.

Der Sinkflug begann schon im April

Interessant: Der Preisverfall begann bereits im April 2025, lange bevor der Tankrabatt in Kraft trat. Experten führen das auf sinkende Rohölpreise zurück, die wiederum auf eine steigende Förderung durch Öl-Scheichs wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate zurückzuführen sind. Laut Marktdaten könnte die Förderung bis Ende 2025 um bis zu 1,5 Millionen Barrel pro Tag steigen – eine Menge, die den globalen Markt überflutet. Experten rechnen damit, dass dies die Spritpreise bis Jahresende um bis zu 20 Prozent senken könnte. Der ADAC-Kraftstoffexperte Christian Laberer sagt: "Solange es keine weiteren großen Krisen gibt, wird sich da nicht viel tun." Eine ruhige Lage – aber eine gefährliche Illusion.

Baden-Württemberg: Die paradoxen Pläne

Während die Bundesregierung entlastet, plant Baden-Württemberg eine eigene Preisregulierung, die paradoxerweise Benzin teurer machen könnte. Die Landesregierung erwägt, die Mineralölsteuer nicht an die sinkenden Rohölpreise anzupassen, sondern sie konstant zu halten – was bedeutet: Wenn der Preis am Markt fällt, bleibt der Steueranteil gleich. Das führt zu einem höheren Anteil der Steuer am Endpreis – und damit zu einem teureren Sprit für die Autofahrer im Südwesten. Ein politischer Widerspruch, der viele Verbraucher verärgert: Warum entlastet Berlin, während Stuttgart nachhakt?

Was kommt nach 2025? Der CO₂-Preisschock

Die Entlastung ist nur eine Zwischenstation. Die CO₂-Abgabe bleibt bis 2026 auf 55 Euro pro Tonne fest, doch ab 2027 steigt sie weiter – und zwar schrittweise bis zu 65 Euro. Experten warnen: Ab 2026 könnte ein weiterer Anstieg von bis zu 20 Cent pro Liter drohen. Das ist kein theoretisches Szenario. Die Bundesregierung hat das Ziel, bis 2030 den CO₂-Ausstoß im Verkehr um 65 Prozent zu senken. Die Preise werden dafür notwendig teurer – und die Politik steht vor der Herausforderung, die Belastung für Geringverdiener zu mildern. Derzeit ist das nicht gelöst. Der Tankrabatt ist ein kurzfristiges Strohfeuer, kein langfristiges Konzept.

Technologische Alternativen – und ein Tankunfall in Nordrhein-Westfalen

Parallel dazu treibt die Branche neue Kraftstoffe voran. Seit Anfang 2025 dürfen deutsche Tankstellen HVO100-Diesel verkaufen – einen klimafreundlichen, pflanzlichen Diesel, der bis zu 90 Prozent weniger CO₂ ausstößt. Doch nicht jedes Fahrzeug kann ihn nutzen. Viele Autofahrer wissen nicht einmal, dass er existiert. Und dann gibt es noch die Realität: Am 18. September 2025 kam es in Kempen-St.Hubert, Nordrhein-Westfalen, zu einer Gewässerverunreinigung des Baches "Kendel". Ein Speditionsfahrzeug mit Diesel tankte über – die automatische Abschaltung der Zapfsäule war defekt. Die Umweltbehörden ermitteln noch, aber das Ereignis erinnert daran: Selbst die saubersten Technologien sind anfällig für menschliches Versagen.

Der Raketen- und Federeffekt: Wer profitiert?

Das Kartellamt kritisiert seit Monaten den sogenannten "Raketen- und Federeffekt": Preise steigen wie eine Rakete, wenn Rohöl teurer wird – aber fallen wie eine Feder, wenn es billiger wird. Die Tankstellenketten reagieren schnell auf höhere Kosten, aber zögern bei Senkungen. Warum? Weil sie die Margen im Preisverfall schützen wollen. Die Verbraucher zahlen den Preis – nicht nur finanziell, sondern auch im Vertrauen. Wer glaubt noch, dass die Preise am Ende wirklich marktgetrieben sind?

Was ist mit Bioethanol und den USA?

Während Deutschland über Spritpreise diskutiert, bewegt sich die globale Bioenergie-Branche. Der American Coalition for Ethanol drängt die kalifornische Umweltbehörde California Air Resources Board, den Verkauf von E15-Benzin (15 % Bioethanol) zu erlauben – ein Schritt, der den US-Markt um 15 Milliarden Liter erweitern könnte. Gleichzeitig unterzeichneten Allied Biofuels und Praj Industries eine Absichtserklärung für die größte Ethanol-Anlage Zentralasiens in Usbekistan – eine strategische Wende, die zeigt: Die Welt baut nicht nur auf Elektromobilität, sondern auch auf biogene Kraftstoffe. Und in den USA verkaufte Gevo im November 2025 seine Clean Fuel Credits für 52 Millionen US-Dollar – ein Zeichen dafür, dass Bioethanol immer mehr zu einer finanziellen Anlage wird, nicht nur zu einem Umweltprodukt.

Was kommt als Nächstes?

Die nächste große Frage: Werden die Bundesregierung und die Länder bis 2026 ein Konzept vorlegen, das den sinkenden Spritpreisen nicht mit kurzfristigen Rabatten, sondern mit strukturellen Lösungen begegnet? Wird der Tankrabatt verlängert? Wird HVO100 gefördert? Und wie sieht die Entlastung für Familien mit älteren Fahrzeugen aus? Bislang bleibt alles unklar. Die Politik reagiert – aber nicht vorausschauend. Und während die Ölpreise fallen, wächst die Unsicherheit über die Zukunft des Verkehrs.

Frequently Asked Questions

Warum sinken die Spritpreise, obwohl die CO₂-Abgabe steigt?

Weil der Tankrabatt von 35 Cent pro Liter Benzin und 17 Cent pro Liter Diesel die Auswirkungen der CO₂-Abgabe überwiegt. Zudem fallen die Rohölpreise aufgrund erhöhter Förderung durch Ölstaaten. Der Nettoeffekt ist ein Preisrückgang, obwohl die Umweltabgabe höher ist – ein kurzfristiges Phänomen, das bis 2026 anhält.

Wie viel spart ein Autofahrer wirklich mit dem Tankrabatt?

Bei Benzin spart man 35 Cent pro Liter – das sind 15,75 Euro bei einem 45-Liter-Tank. Bei Diesel sind es knapp 17 Cent pro Liter, also 7,65 Euro. Diese Ersparnis gilt ab 1. Juni 2025, aber nur, wenn die Tankstelle den günstigeren Sprit eingekauft hat. Viele kleinere Betreiber haben Verzögerungen, daher variiert die Ersparnis regional.

Was bedeutet der CO₂-Preisschock ab 2026 für mich?

Ab 2027 könnte die CO₂-Abgabe erneut steigen – und zwar auf bis zu 65 Euro pro Tonne. Das könnte Spritpreise um bis zu 20 Cent pro Liter nach oben treiben. Der Tankrabatt läuft dann aus. Wer heute spart, muss sich auf höhere Kosten in zwei Jahren einstellen – besonders, wenn er kein Elektroauto hat und auf Benzin oder Diesel angewiesen ist.

Warum ist HVO100-Diesel nicht überall verfügbar?

HVO100 ist ein klimafreundlicher, pflanzlicher Diesel, aber nicht alle Fahrzeuge sind dafür zugelassen – besonders ältere Modelle mit Common-Rail-Einspritzung. Zudem ist die Produktion noch begrenzt, und viele Tankstellen haben keine entsprechenden Tanks. Die Infrastruktur ist nicht bereit – obwohl der Kraftstoff bis zu 90 % weniger CO₂ ausstößt als herkömmlicher Diesel.

Wie wirkt sich der Raketen- und Federeffekt auf mich aus?

Wenn Rohöl teurer wird, steigen die Spritpreise innerhalb von Tagen. Wenn es billiger wird, zögern Tankstellen mit Preissenkungen – oft um Wochen. Das bedeutet: Sie zahlen mehr, als nötig wäre. Das Kartellamt prüft bereits, ob das wettbewerbswidrig ist. Die Folge: Verbraucher verlieren das Vertrauen in die Preistransparenz.

Ist der Tankrabatt eine langfristige Lösung?

Nein. Er ist ein politischer Notfallkompromiss, um die Inflation zu dämpfen und Wählerstimmen zu sichern. Langfristig braucht Deutschland eine echte Mobilitätswende: mehr öffentlicher Nahverkehr, bessere Radwege und Förderung von E-Fahrzeugen. Der Rabatt lenkt nur ab – und verhindert, dass die CO₂-Preispolitik konsequent umgesetzt wird.


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